Gut Ding will Weile haben und manchmal lohnt ein Innehalten, Weglegen, Nachdenken, neu Justieren und mit frischem Geist wieder ans Werk gehen. So erging es mir mit meinem neuen Blusenkleid Cocoon von Schnittduett – ein echtes Slow-Sewing Projekt. .

Womit wir schon bei meinem Näh-Motto 2022 wären: Slow-Sewing mit Mehrwert. Das sind Näh-Projekte, die mich und meine Näh-Skills voranbringen und gleichzeitig nicht stressen und unter Zeitdruck setzen. Projekte, die zu mir und meiner Garderobe, meinem Stil passen.

Der grobe Plan sieht ungefähr ein Kleidungsstück pro Monat vor. Dabei ist es mir wichtig, dass mich die Projekte nicht stressen und unter Druck setzen, denn den habe ich im Alltag häufig genug. Am Ende soll es egal sein, ob es 12, 10 oder 14 Teile werden.

Slow Sewing No. 1: Blusenkleid Cocoon – wenn’s mal wieder länger dauert

Zwischen den Jahren habe ich mich voller Tatendrang an das Hemdblusenkleid Cocoon von Schnittduett gewagt. Den Schnitt wollte ich schon seit einiger Zeit unbedingt nähen. Die Suche nach dem richtigen Stoff hat jedoch etwas länger gedauert. Letzten Endes habe ich zwei Stoffe gekauft: Einen petrolfarbenen Baumwoll-Flanell und einen Chambray in jeansblau, denn ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich eine dickere oder eine dünnere Version nähen sollte. Letztendlich habe ich mich für den Flanell entschieden, damit ich die Bluse bzw. das Blusenkleid auch in den kalten Monaten tragen kann.

Das Projekt im Kurzüberblick:

Schnittmuster: Bluse / Blusenkleid Cocoon von Schnittduett in der Kleidversion mit kurzem Arm*
Stoff: Baumwoll-Flanell von Frau Tulpe’
Knöpfe: Alles für Selbermacher (leider ausverkauft, denn die letzten 9 zieren mein Blusenkleid)*

Die Umsetzung

Bluse und Blusenkleid Cocoon vom Label Schnittduett

Das Schnittmuster kommt mit einer sehr ausführlichen Anleitung, die keine Wünsche offen lässt. Außerdem gab es im Herbst 2020 einen Sew-Along, organisiert von Anja und Selmin vom Schnittduett. So finden sich viele Beiträge sowie ergänzende Videos rund um den Schnitt auf dem Blog des Schnittduetts. Mit dieser Unterstützung war es kein Problem das Blusenkleid zu realisieren.

Das Blusenkleid war toll zu nähen und ich habe einiges, für mich noch Neues bei diesem Projekt gelernt. Aufgrund der großen Mehrweite habe ich Größe 36 genäht. Letztlich wäre auch eine kleinere Größe drin gewesen. Der Stoff gefällt mir ebenfalls richtig gut. Er ist sehr angenehm zu tragen und hat sich auch gut nähen lassen. Eine schöne Qualität zu einem guten Preis (12 EUR/Meter).

Die sichtbaren Innennähte werden eigentlich mit französischen Nähten genäht, für dicke Stoffe wird davon jedoch abgeraten. Daher habe ich “normal” genäht.

Einen kleinen Knoten im Hirn hatte ich beim Nähen der Manschetten. Das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen, irgendwie hab ich es geschafft, die richtigen Schlussfolgerungen aus der Anleitung zu ziehen. Das “im Nahtschatten nähen” muss ich auch noch ein bisschen üben, aber für den ersten Versuch bin ich zufrieden.

Arg enttäuscht war ich von meinem Kragensteg-Abschluss. Der wollte einfach nicht schön werden. Irgendwie hat Stoff gefehlt und ich musste ziemlich tricksen, um es irgendwie erträglich zu machen.

Schwer getan habe ich mich außerdem bei der Wahl der passenden Knöpfe. Zu guter Letzt habe ich bei “Alles für Selbermacher” bestellt. In der Anleitung sind 12 Knöpfe angegeben, aber es gab nur noch 9 und, was soll ich sagen, es haben sogar 8 gereicht. Allerdings hab ich etwas größere Knöpfe (17mm) als vorgesehen verwendet. 12mm kam mir deutlich zu klein vor.

Stolpersteine und Zufriedenheitsoptimierung

Nachdem ich den Body des Blusenkleid Cocoons zusammengenäht hatte, wurde mir bewusst, dass meine Stoffwahl semi-optimal war. Ich wollte zuerst eine Langarm- und Kleidversion nähen. In dem etwas dickeren unifarbenen Flanell sah das aber sehr sackartig aus und ich habe daher einiges ausprobiert, um das Blusenkleid gefälliger zu bekommen.

Mein Freund, der Nahttrenner
Ein Freund, ein guter Freund…

Zuallererst habe ich beschlossen, die Ärmel zu kürzen, sodass langärmelige Oberteile darunter hervorschauen und das Gesamtbild auflockern. Die kurzen Ärmel sollten mehr Rafinesse mitbringen. Kurzerhand habe ich aus einem Stoffmarkt-Schnäppchen einen Rolli nach dem Schlauchkleid-Schnitt von The Couture (mein Weihnachtskleid, ihr erinnert euch) genäht, um zu schauen, ob meine Idee tatsächlich funktioniert.

Fazit: Ja, funktioniert, wenn man die Aussage vom Lieblingsmann “sieht aus wie Maler Klecksel” gekonnt ignoriert… Aber es funktioniert mit weiteren vorhandenen Oberteilen, wie ihr den Fotos entnehmen könnt.

Außerdem hab ich lange überlegt, ob ich das Kleid kürzen soll. Ich hab viel gesteckt und ausprobiert, hab mich aber doch gegen eine Kürzung entschieden. Mal schauen, ob das auf Dauer so bleibt oder ich doch nochmal mit der Schere anrücke. Eine zweite Cocoon würde ich jedoch definitiv in der langen Blusenversion nähen – Stoff hab ich ja noch da.

Mein Fazit zum Blusenkleid Cocoon

Insgesamt bin ich mit meiner Version nicht so zufrieden. An mir wirkt das Blusenkleid noch immer ein bisschen wie ein Sack und erinnert mich an einen Kittelschurz meiner Oma. Das liegt für mich aber hauptsächlich am unifarbenen Flanell und auf keinen Fall am Schnitt. Das dieser sehr “oversizeig” und bewusst in eine Kokon-Form fällt, ist den technischen Zeichnungen und den Modellen ja deutlich zu entnehmen.

Echt gemütlich: Blusenkleid Cocoon aus Flanell mit Rollkragen-Shirt
Echt gemütlich ist mein Blusenkleid Cocoon auf alle Fälle.

Es wird daher vermutlich immer auf die Outfit-Kombination und das Styling ankommen, damit ich mich darin wohlfühle. Gestreifte Longsleeves und mein neuer Rolli als “Partner” machen sich auf alle Fälle schon mal sehr gut. Mit schmalen Hosen und schickem Schuh ist das Blusenkleid auf alle Fälle auch Business-tauglich und es wird hoffentlich kein Schrankhüter. Heute hatte ich es auch im Büro an und im Laufe des Tages hab ich mich durchaus immer wohler gefühlt. Flanell-Cocoon und ich finden schon noch zusammen!

Die Knöpfe sind nicht ganz mittig auf der Knopfleiste, aber ich denke, das ist verschmerzbar. Dafür war ich mal wieder erstaunt, dass dieses Knopflöcher nähen nur halb so schlimm ist, wie man immer denkt. Eigentlich ganz einfach, nur die Mitte muss ich noch treffen lernen. Aber hey, dafür sind alle Knöpfe in einer Reihe – man kann halt nicht alles haben 😉

Von diesem Projekt werde ich sehr viel mitnehmen für künftige Näh-Projekte. Den Schnitt und die Anleitung, gepaart mit den zusätzlichen Infos der Sew Along Beiträge ist absolut empfehlenswert.

Von daher: Auf zum nächsten Slow Sewing Projekt! Aber vorab heißt es, Bühne frei für die MeMadeMittwoch-Damen und ihre Februar-Kreationen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön für die Plattform und den schönen Austausch.

Weitere spannende Lektüre aus meinem Nähen-Lernprozess:

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