Schlagwort: ruhe

Entschleunigung und Achtsamkeit

Was sind Entschleunigung und Achtsamkeit für mich?

Ich möchte mich heute an eine persönliche Definition und Einordnung der Trendbegriffe “Entschleunigung” und “Achtsamkeit” wagen. Diese zwei Begriffe schwirren aktuell überall als Trendthemen durch die unterschiedlichen Netzwerke. Und doch bedeuten Entschleunigung und Achtsamkeit für jeden von uns etwas anderes. Was die beiden Begriffe für mich und meinen Alltag bedeuten, versuche ich heute herauszuarbeiten. Vielleicht kannst Du daraus auch etwas für dich und Deinen Alltag mitnehmen.

Was ist Entschleunigung für mich?

Das Wort “Entschleunigung” habe ich vor mindestens 15 Jahres zum ersten Mal im Rahmen einer Pressereise durch das schöne Allgäu gehört. Damals ging es mit einem Bergführer auf eine entschleunigte Tour über die saftigen Wiesen und Höhen des Allgäus (an den exakten Ort kann ich mich leider nicht mehr erinnern – sorry). Das tat gut, aber das Thema Entschleunigung war für mich damals nicht relevant und ist damit auch wieder in Vergessenheit geraten.

Doch mit den Jahren kam vermehrt Stress und Druck in den Alltag. Sowohl von beruflicher als auch privater Seite. Denn auch die Freizeit will und muss ja heute irgendwie durchgetaktet und verplant sein, damit man nichts verpasst… denkt man.

Und dann kam der erste Corona-Lockdown. Plötzlich hatten sich alle (v.a. privaten) Termine erledigt. Plötzlich war da von einer Sache ganz viel: ZEIT. Für viele war das scheinbar schwierig und problematisch. Für mich aber fühlte sich das in weiten Strecken vor allem FREI an. Der ganze Stress, die Lasten, die Hektik des Alltags waren plötzlich weg.

[Hinweis: Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass wir wirklich Glück hatten im ersten Lockdown. Mein Mann und ich konnten ins Homeoffice, konnten uns die Zeiten mit der Kinderbetreuung gut aufteilen, hatten einen großen Garten und keine Schulkinder, für die wir Ersatzlehrer spielen mussten. Von daher ist mir wirklich bewusst, dass diese Zeit für viele bestimmt nicht entspannend und entschleunigend war. ]

Übrig blieben Ruhe, Zeit für Vieles, das sonst hintenrunter fiel und die Möglichkeit, sich neue Hobbies anzueignen bzw. auszubauen.

Ich hab mich in diesen Frühlingswochen viel durch den Garten gewühlt, wir haben gewerkelt und geschafft und waren abends glücklich, dass unser kleines Gartenreich Stück für Stück gewachsen ist. Jedes Blümchen wurde gefeiert und irgendwie hatten wir eine schöne Zeit. Selbstverständlich gab es aber auch bei uns die Momente, in denen wir genervt voneinander waren und nicht alles eitel Sonnenschein war. Das gehört zum Leben nunmal auch dazu.

Was ich aus der Zeit mitgenommen habe und mir seither sehr bewusst geworden ist:

  1. Sei glücklich mit dem was Du hast und versuche, das, was du hast, mehr wertzuschätzen.
  2. Nicht alles muss und kann und soll perfekt sein.
  3. Genieße Auszeiten und fülle sie für dich. Das kann “Nichtstun” / Relaxen sein, das kann aber auch eine Jogging-Runde oder eine Yoga-Session oder oder oder sein.
  4. Genieße die kleinen Dinge im Leben und lerne sie schätzen.
  5. Genieße Zeiten, die Du für Dich und Deine Hobbies hast.

Für mich sind das all die kleinen, größeren und großen Momente, in denen ich Zeit für meine Hobbies habe, meine Entschleunigungszeiten. Wenn ich die Nähmaschine anschmeiße, Schnittmuster vorbereite und Stoffe zuschneide, gibt es nur das Nähen und mich (meistens). Den Alltagstrott versuche ich dann weitestgehend auszublenden und einfach nur die Zeit zu genießen. Ähnlich geht es mir im Garten oder wenn ich mit der Familie einen Ausflug unternehme und sei es nur eine kleine Entdecker- oder Sammel-Tour im Wald.

Ausflüge in der Natur helfen bei der Entschleunigung und
lenken das achtsame Auge auf die Schönheit um uns herum.

Das Ding mit der Achtsamkeit

Entschleunigung geht für mich auch immer einher mit dem Schlagwort “Achtsamkeit”. Denn wenn ich selbst zur Ruhe komme oder das, was ich für mich tue, wertschätze und die Zeit genieße, dann ist das auch immer ein Stück Achtsamkeit, das ich mir selbst gegenüber zugestehe.

Achtsamkeit ist für mich aber auch der Umgang mit dem, was ich besitze, bearbeite und mit dem, was mich umgibt, achtsam umgehe. Klar, auch bei mir herrscht oft reiner Pragmatismus, was muss das muss und nicht immer kann und will man alles mit Fingerspitzen anfassen, aber zumindest in unserem Garten und bei meinem Näh-Hobby bin ich sehr bemüht, achtsam mit allen Teilen umzugehen.

Achtsamkeit ist für mich auch sich Zeit für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu nehmen. Selbstverständlich ohne die Lieben zu vernachlässigen und zu kurz kommen zu lassen. Doch ich bin mir sicher, wenn ich mir ab und an kurze Pausen für mich selbst nehme, haben am Ende alle mehr davon.

Achtsam bin ich aber auch gegenüber meinen Kindern, indem ich versuche, ihren Bedürfnissen soweit möglich zu entsprechen. Aber: Das heißt nicht, ohne Regeln zu leben und sich auf der Nase herumtanzen zu lassen 😉 Es heißt, sich mit ihnen auch mal hinzusetzen, gemeinsam Bücher zu lesen, zu basteln, zu malen, zu kneten, zu spielen, zu tanzen, zu singen, zu toben, zu experimentieren, zu backen, zu kochen, zu klettern, zu springen. Gemeinsam auf Entdecker-Tour zu gehen, die Spielplätze unsicher zu machen, Freizeit-Aktivitäten zu unterstützen und sich mit den Freunden der Kinder zu treffen.

Aber: Immer ohne die Kinder zu überfordern und immer auch mit Nachmittagen und Zeiten, an denen die Kinder spielen und toben können, wie sie selbst es möchten, ohne Pläne, Termine und “Muss”. Denn dann entfaltet sich die volle kindliche Fantasie und die ist grenzenlos und immer wieder verzaubernd.

Hier schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei der Entschleunigung angekommen. Genießen wir die Zeit, die wir haben und nutzen wir sie für uns und unsere Liebsten. Gerade in Zeiten, in denen es stressiger ist, ist es gut, sich daran zu erinnern und bewusst kleine Auszeiten zu nehmen, um die Akkus zu füllen und mit neuer Energie weitermachen zu können, ohne in ein Loch zu fallen.

Was sind Entschleunigung und Achtsamkeit für dich? Und wo findest Du Deine Entschleunigungsmomente? Beim Joggen, bei Treffen mit Freunden, in der Sauna oder im Spa, vor dem Fernseher, beim Lesen? Lass es uns wissen und hinterlasse einen Kommentar.

Herbst: Zeit der Entschleunigung und lustige Beschäftigungsideen für Groß und Klein

Ich mag den Herbst. Ich mag es, wenn sich die heißen Sommertage langsam verabschieden, die Farben in der Natur immer kräftigere Rot-, Gelb- und Orangetöne annehmen und das Leben die Geschwindigkeit etwas drosselt.

Natürlich mag ich auch den Sommer, genauso wie ich den Frühling und den Winter mag. Denn jede Jahreszeit hat für mich ihre Besonderheiten und Schönheiten. Der Wechsel der Jahreszeiten gehört für mich dazu und ein Leben ohne kann ich mir nicht vorstellen. Aber wenn die Tage kürzer werden, erste Schmuddeltage Einzug halten und ich mich dann an der ersten Teetasse des Jahres erfreue, kommt auch immer eine große Portion Ruhe auf.

Denn mit dem Herbst kehrt in der Regel auch unweigerlich Ruhe und Gemütlichkeit ein (bevor der Weihnachtsstress beginnt, aber dazu mehr in einem extra Beitrag). Nun beginnt die Zeit kuscheliger Teestunden, ruhiger Bastelnachmittage, raschelnder Blätterberge und stürmischer Spaziergänge. Wunderbar. Und wenn man mit Wind-zerzausten Haaren, durchgefroren und manchmal auch mit nassen Füßen nach Hause kommt, ist es noch schöner, wenn man sich zu Hause wieder aufwärmen kann.

Mit dem Herbst verändern sich auch Alltag und Freizeit. Andere Beschäftigungsmöglichkeiten und (Haus-)Arbeiten stehen plötzlich an. Auf die Hausarbeiten möchte ich jetzt an dieser Stelle nicht eingehen…

Denn: Endlich ist es wieder Zeit für ruhige, entspannende und wunderschöne Herbst-Beschäftigungen. “Entschleunigung” ist das Motto des Herbsts.

Beschäftigungsideen im Herbst mit Kindern – im Haus:

  • Puzzles und Brettspiele
  • Herbstbasteln mit Laub, Kastanien, Ästen, Stöcken, Eicheln und Bucheckern
  • Fensterbilder basteln mit Herbstmotiven
  • Laternen basteln (wobei das ja meistens in Kindergarten und Kita passiert)
  • Herbstlieder singen (bei uns kommt gerade kein Tag ohne einen “Pi-Pa-Putziger Igel” aus, mit Ohrwurm-Garantie)
  • Waffeln backen (lecker)
  • Weckmänner zu St. Martin backen und dann mit einer heißen Tasse Kakao genießen (hach…)
  • Kürbis schnitzen – je nach Alter des Kindes – und aus den Resten leckere Kürbissuppe kochen
  • Alle Spielsachen aus den Regalen räumen und eine riesige Spielwelt aufbauen und auch mal stehen lassen
  • Gemeinsam Bücher lesen (entweder ein paar neue Bücher kaufen oder in der Bücherei ausleihen), ob Geschichten oder Wissens- und Lernbücher, wichtig ist das “sich Zeit nehmen”
  • Kinder einfach mal spielen lassen und wenn gewünscht: Mitspielen, ansonsten NICHT STÖREN! … und die Ruhe genießen 😉
Nicht nur das Schnitzen eines Kürbisses ist Pflicht im Herbst.

Beschäftigungsideen im Herbst mit Kindern – draußen:

  • Durch Blätterberge rascheln – immer wieder toll.
  • Kastanien (Eicheln, Bucheckern…) sammeln
  • Blättersträuße sammeln
  • Spaziergänge durch den Herbstwald – mal schauen, was man alles findet
  • Drachen steigen lassen
  • In den Wind stellen und durchpusten lassen
  • Pfützen-Spring-Wettkampf (nein, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung)
  • Laternenwanderung in der frühen Dunkelheit – und dazu St. Martins-Lieder singen (lauthals) oder
  • eine Nachtwanderung unternehmen mit Taschenlampen und Stirnleuchten
  • Vogelhäuschen aufstellen und mit Futter ausstatten, Meisenknödel und -Ringe aufhängen
  • Ein Igelhaus bauen (oder einen riesigen Blätterhaufen zusammenrechen)
  • Wer drauf steht: Zu Halloween verkleidet durch die Straßen ziehen

Habt ihr noch mehr Ideen, wie man mit Kindern einen tollen, lebhaften, abwechslungsreichen, aber auch ruhigen Herbst verbringen kann?

Beschäftigungsideen im Herbst für Erwachsene

Und womit beschäftigen wir Erwachsene uns im Herbst? Abgesehen vom Herbstputz, stehen bei mir folgende Aktivitäten ganz hoch im Kurs:

  • Herbstdeko im und am Haus: Über den Sommer ist es mir nicht so wichtig, dass es drinnen überall vor Deko blitzt, aber im Herbst überkommt mich dann jedes Jahr die Deko-Wut 😉 Da werden Kastanien drapiert, Zierkürbisse und Riesenkürbisse verteilt, Windlichter und Kerzen an allen möglichen (und unmöglichen) Orten aufgestellt und die letzten Herbstblumen wie Chrysantheme und Aster in Szene gesetzt.
  • Zwiebelblumen pflanzen und die Vorfreude auf den Frühling steigern.
  • Überhaupt “Gartenputz”: Gartenmöbel abdecken oder verräumen, Büsche, Sträucher und Bäume schneiden, die herabfallenden Blätter zu großen Haufen rechen oder als Frostschutz auf die Beete häufeln, den Garten (oder Balkon) Wind- und Wetterfest machen.
  • Topfpflanzen ins Haus holen oder warm einpacken, damit sich keine eine Erkältung holt.
  • Letzte Früchte und Gemüse ernten, Herbst- und Wintergemüse in die leeren Beete pflanzen, damit auch an kalten Tagen frisches Gemüse aus eigenem Anbau auf dem Teller landet.
  • Den “Drinnen-Hobbies” fröhnen: Ab September kehrt nämlich zumindest bei mir die große Nählust zurück. Da werden Pläne geschmiedet, Stoff und Faden gekauft, erste Nähte und Projekte in die Tat umgesetzt und fleißig gewerkelt.
  • Auf dem Sofa eingekuschelt in dem ein oder anderen Magazin blättern oder gemütlich einen dicken Schmöcker lesen (ich gebe zu: Das schaffe ich mit den Kindern eher selten).
  • Und gegen Ende Oktober, Anfang November beginnt dann die Vorfreude auf die Advents- und Weihnachtszeit. Braucht es neue Weihnachtsdekoration, die die bestehende ergänzt? Wie soll der Adventskalender der Kinder bestückt werden? Was steht bei wem auf der Wunschliste? Wie und mit wem feiern wir Nikolaus? Wie soll der Adventskranz aussehen?
  • Und in diesem Jahr für mich ganz wichtig: Wie wird die Advents- und Weihnachtszeit wunderschön (auch oder gerade wegen Corona) und wie vermeide ich Stress vor und rund um die Feiertage? Früh anfangen, den November nutzen und ohne Druck das Fest der Feste angehen. Ich glaube, das sind erstmal die wichtigsten Vorsätze.
Im Herbst fährt die Natur nochmal große Geschütze auf: Spät-blühende Blumen und Sträucher wie Herbstastern und Chrysanthemen (hier im Bild) strahlen mit den bunten Blättern um die Wette.

Doch jetzt lasst uns erstmal den Herbst genießen, durch Blätterberge rascheln, in Pfützen springen und uns vom Winde verwehen lassen. Genießen wir die ruhigeren Momente. Denn eines ist klar: Es wird auch wieder anders werden.

© 2022 Mein Lebensspiel

Theme von Anders NorénHoch ↑