Monat: August 2020

Garteneroberung: Unser Rückzugsort in stürmischen Zeiten

Da war er: Mein eigener Garten. Endlich. Mit unserem Umzug im Oktober 2019 konnten wir uns auch über ein gar nicht sooo kleines idyllisches Garten-Grundstück freuen. Noch besser: Unsere Vermieter lassen uns hier freie Hand, wir dürfen werkeln wie wir möchten, umgestalten, rausreißen, umpflanzen. Toll! 

Doch am Anfang hieß das auch: Au backe – ganz schön viel Arbeit. Wo soll man da nur anfangen? Denn, wie ihr auf den Bildern unten sehen könnt, der Garten war in den letzten Jahren aufgrund des Alters und Gesundheitszustandes unserer Vormieterin etwas aus der Form geraten und verwildert.

So sah es letzten Herbst in unserem Garten aus:

Aber bei genauer Betrachtung sieht man, dass er durchaus mit sehr viel Liebe und Akkuratesse angelegt, gehegt und gepflegt worden war.  

Im Herbst (noch vor unserem Einzug) leiteten wir erste “Notmaßnahmen” ein: Eine Blumen-/Staudeninsel zurückschneiden, so dass wir diese mittelfristig komplett entfernen können. Die Efeuranken rund um die Garage in ihrer Tiefe mehr als halbieren – hier darf man wirklich beherzt zugreifen, denn Efeu wächst rasant wieder… Ich kann da Beweise liefern. Was wir entdeckten: Unter den dicken und dichten Ranken kam tatsächlich eine Lampe sowie ein (kaputter) Bewegungsmelder zum Vorschein. Außer Efeu wachsen weitere Kletterbüsche an unserer Garage hinauf (vermutlich Buchs?), die man gar nicht mehr sehen konnte. Spannend!  

Außerdem haben wir die wild wachsenden und an jeder Ecke sprießenden Brombeer-Ranken rabiatt zurückgeschnitten. Eine Arbeit, die uns ab jetzt jedes Jahr droht, da die Brombeeren wirklich schwer zu bändigen sind. Denn auch wenn Brombeeren wirklich lecker sind, überall und an jeder Stelle möchte man sie dann doch nicht im Garten haben. Vielleicht hat jemand einen Tipp, wie man den Brombeeren dauerhaft Herr werden kann?  

Gestaltung für Anfänger

Doch die eigentliche Frage, die uns von Anfang an umtrieb war: Wie soll es denn werden? Wie soll es mal aussehen? Was möchten wir überhaupt für einen Garten?

Diese Frage beschäftigte uns im Winter eher weniger und wurde erst mit näher rückendem Frühjahr ernsthafter besprochen. Dann kam der Corona-Lockdown und mit ihm starteten wir so richtig in den Garten-Umbau.  Im Laufe der Wochen und Monate haben wir viel überlegt und geplant, wurden erste Überlegungen wieder verworfen und neue Ideen kamen hinzu.

Erste Erkenntnisse, die sich so verwirklichen ließen oder die Weichen für die Zukunft stellen:

  1. Die Terrasse soll schöner und größer werden.
  2. Wir möchten ein Hochbeet.
  3. Trenne dich von allem, was dir nicht gefällt, aber gib Vorhandenem auch Chancen.
  4. Mach einen Plan und scheue dich nicht ihn anzupassen.
  5. Ein Garten ist nie fertig, sondern wächst Jahr für Jahr aufs Neue.
  6. Viele Ideen erfordern viel Arbeit. Mach es Step by Step.

Geplant, getan. Wir legten los. Mein Mann begann mit dem Umlegen des Gartenweges. Ich widmete mich erstmal dem Vorgarten. Es folgten jede Menge Unkraut jähten, Büsche entfernen, Rosen umpflanzen, der Bau einer neuen Terrasse, das Anlegen eines Hochbeets … aber auch: Tägliche Freude, über alles, was da plötzlich wächst, mit dem man nicht gerechnet hatte. Die Erkenntnis, dass wir neben Käfern, Schnecken, Hummeln, Bienen… auch einen kleinen stacheligen Gast im Garten haben, machte uns direkt erfürchtig. Die kleinen Mäuse hingegen, die Schoko-Ostereier genau so lecker finden wie wir, fanden wir nicht ganz so toll. Aber aus Fehlern lernt man und im kommenden Jahr stelle ich die Kiste mit den Oster-Geschenken nicht einfach auf den Boden der Garage… 

Was mir der Garten bereits im ersten Jahr auch gezeigt hat – trotz der vielen Arbeit: Er macht mich glücklich, er bringt mich zur Ruhe und lässt mich abschalten vom Alltag. Mein neuer Ruhepol, der mein Hirn zum Brodeln bringt vor lauter Gestaltungsideen. Mal schauen, was sich davon am Ende umsetzen lässt.

Für den Herbst steht noch viel bevor und ich werde euch garantiert daran teilhaben lassen. Zuerst müssen die Thuja-Hecken weg, damit wir im Winter einen Plan für den hinteren Gartenbereich machen können, der hoffentlich auch ein Gemüsebeet vorsieht. Dann darf noch ein Rhododendron weichen und im Frühling gehts dann weiter. Ich freu mich schon – mit den Händen in der Erde wühlen und am Ende etwas gestalten. Das fand ich schon als Kind fantastisch und habe ich nun voll Begeisterung wiederentdeckt.

Dabei sollten wir nie vergessen: Gönn dir Auszeiten und nimm dir bewusst Zeit zum Abschalten, Runterkommen und Genießen des Gartens.

Denn das Ziel ist klar: Unser Garten soll uns erfüllen, Spielplatz für die Kinder sein, aber auch Rückzugsort und Ruheoase für uns als Familie.

Warum um 6 Uhr der richtige Zeitpunkt zur Überwindung des Schweinehunds ist

Meine Kinder haben beschlossen, abends spät zur Ruhe zu kommen. Oder um ehrlich zu sein: Unser Tagesablauf erlaubt kein Zubett-Gehen vor 20 Uhr und nach dem Einschlaf-Kuscheln, sagt mein Schweinehund NIE: Und jetzt nochmal ran ans Werk und eine Runde sporteln. Nein, das schaff ich nicht. Da sind die Verlockungen des Sofas zu groß. Oder die Nähmaschine ruft. Oder die Schreiberei 😊 Oder ein Glas Wein auf der Terrasse. Jedenfalls ruft mein Sportsgeist nie.

Aber da Sport nunmal wichtig ist und ich auch eine gewisse “Auspower-Runde” brauche, um mich gut zu fühlen, hat sich ein gewisses Ritual entwickelt:

Der frühe Vogel nutzt das Morgengrauen und startet den Tag mit einer “Ich-Auszeit”.

Denn:

Schweinehund, du kannst mich mal

Das heißt ich “gönne” mir früh morgens, bevor der Rest der Familie aufsteht, eine halbe Stunde Frühsport. Früh heißt in diesem Fall um 6 Uhr. Meistens bedeutet das ein 10 minütiges Cardio-Warm-up, gefolgt von verschiedenen Fitness-Übungen. Das kann mal ein Workout sein, bei dem der gesamte Körper dran ist, am nächsten Tag fokussiere ich mich auf ein oder zwei Körperpartien. Dazu nehme ich mir immer ein paar Übungen vor, die dann – wenn zeitlich irgendwie möglich – in zwei Runden trainiert werden. 

6-Uhr-Schweinehund
Viel brauchst Du nicht: Eine Yoga-Matte und evtl. ein paar Kurzhanteln reichen für den Anfang aus.

Heute zum Beispiel stand nach dem Warm-up der Oberkörper mit Schwerpunkt Rücken auf dem Programm. Ein paar Programme werde ich euch in den kommenden Monaten noch zusammenstellen. Morgen folgen auf den Oberkörper dann die typischen weiblichen “Problemzönchen”: Bauch, Oberschenkel, Po.

Das Gute am Frühsport: 

Erstens ist man meistens noch so müde, dass man gar nicht mitbekommt, was man sich gerade antut. 

Zweitens ist man hinterher wach und fit und kann energiegeladen in den Tag starten. 

Drittens hat man sich das Frühstück richtig verdient und kann es in vollen Zügen genießen.

Viertens startet man mit einer Zeit, die nur für einen selbst da ist und für niemanden sonst (es sei denn, die Kinder wachen unerwartet früh auf).

Das Blöde am Frühsport: 

Der Schweinehund muss sofort überwunden werden, sobald man sich wieder umdreht, ist es für den Tag vorbei und die Laune ist zumindest bei mir im Keller. Folglich ist Disziplin wichtig. 

Aber ich kann euch bestätigen: Mit der Zeit stellt sich eine gewisse Routine und ein Gewöhnungseffekt ein. Und mit Kindern wisst ihr bestimmt, wie wichtig Zeiten sind, die man für sich alleine hat. Von daher versucht, diese halbe Stunde für euch zu genießen.

Ein Tipp für Tage, an denen der Schweinehund fast die Überhand gewonnen hat: 

Yoga!  

Statt nichts zu tun, aufstehen, tief durchatmen (im Sommer, wenn möglich im Freien), zwei bis drei Runden Sonnengruß und mit ein paar Yoga-Übungen in den Tag starten. 

Es gibt Tage und Wochen, da ist Yoga für mich der perfekte Start in den Tag und andere Tage, da muss es wirklich ein Cardio-/Kräftigungs-Workout sein. Ein Tag die Woche ist aber immer für Yoga reserviert. 

Programm-Planung

Meine Frühsport und Morning-Yoga Halbstunden bastel ich mir übrigens aus Pins zusammen. Denn viel Denken möchte man am frühen Morgen nicht und da helfen zwei bis drei Pin-Übersichten, die man sich am Abend vorher raussucht. Du bist mehr der Video-Nachturn-Typ? Dann wirst du garantiert auf Youtube fündig. 

Ich werde versuchen, für euch demnächst einige Programme zusammenzustellen, die sich perfekt für müde Knochen und frühe Stunden eignen. Bitte erinnert mich gerne daran 😉 Fürs Erste hab ich euch hier eine Pinnwand erstellt, mit einigen kleinen, leicht nachzumachenden Yoga-Programmen, die sich optimal für den Frühsport eignen.

By the Way: Wie euch Yoga bei der Entschleunigung helfen kann, erzähle ich euch in einem neuen Beitrag. Für mich ist Yoga definitiv ein zentraler Bestandteil für mehr Ruhe und Entspannung im Alltag.

6 Schritte in einen entschleunigten Alltag

Entschleunigung klingt erstmal gut – aber wie starten? An welcher Stelle kann man ansetzen, wo der Alltag doch kaum Luft lässt?

In 6 Schritten zu einem entschleunigten Alltag

Vielleicht starten wir erstmal mit einer Begriffsklärung:

Was ist überhaupt Entschleunigung?

Mit Entschleunigung ist ein bewusstes Umdenken gemeint. Das Umdenken, der privaten aber auch beruflichen Schnellebigkeit entgegenzutreten und sich dieser immer weiter fortschreitenden Beschleunigung des Alltags entgegen zu stellen. Eine Entschleunigung soll wieder mehr Ruhephasen und auch Erholung ins Leben bringen. Ob und wenn ja, wie das gelingen kann, versuche ich gerade herauszufinden.

Die folgenden Schritte habe ich mir in den vergangenen Wochen als sinnvolle Vorgehensweise überlegt, um diese Verlangsamung zumindest in Teilen zu erreichen.

1. Schritt: Erkenntnis

Am Anfang steht die Erkenntnis. Vielleicht kommen dir Sätze wie diese bekannt vor:

  • “Mir wird das alles zu viel.”
  • “Mir wird das alles zu schnell.”
  • “Ich komme nicht mehr hinterher.”
  • “Ich drohe unterzugehen.”

Dem sollte ein Stop folgen, denn so kann und soll es nicht weitergehen. Irgendetwas muss sich ändern. Denn: Ein Tag hat 24 Stunden. Und keine einzige mehr. Vielmehr: Jede Stunde, die vorbei ist, ist vorbei und kommt nicht zurück.

Die Erkenntnis, das sich etwas ändern muss, ist Dein erster Schritt in ein entschleunigtes Leben.

2. Schritt: Ein Ziel festlegen

Du hast dir vorgenommen, dass Dein Leben entschleunigt werden soll? Super! Dann solltest Du jetzt ein konkretes Ziel formulieren. Was soll Dein persönliches Ziel sein, dass Du mit der Entschleunigung erreichen möchtest? Welche Bereiche Deines Lebens sollen entschleunigt werden? Vielleicht helfen Dir auch Teilziele, die Du gut erreichen kannst und die dir helfen, ein größeres Ziel zu erreichen. Sei ehrlich mit dir selbst und setze dir ein realistisches Ziel. Dann ist es auch erreichbar.

Ich möchte in meinem Familienleben mehr Ruhe und Atempausen für mich, aber auch meine gesamte Familie schaffen und langfristig als festen Bestandteil unseres Alltags integrieren.

Mein persönliches ziel

3. Schritt: Ruhepole und Entschleunigungsquellen identifizieren

Soweit so einfach. Nun kommen wir zur Umsetzung des Ganzen. Ich habe mir zu diesem Zeitpunkt folgende Fragen gestellt:

  • Wo finde ich Ruhe, Erfüllung und einen Ausgleich?
  • Wann verspüre ich Lebendigkeit, die mir positive Energie bringt?
  • In welchen Momenten komme ich zur Ruhe?
  • Wann und womit lade ich meine Akkus wieder auf?
  • Wann bin ich glücklich?

Die Antwort auf diese Fragen werden bei jedem anders aussehen. Vielleicht helfen bei Dir ein gutes Buch, eine Tasse Tee und eine Massage. Oder aber es sind frische Luft und Sport mit anschließendem Saunagang. Nimm Dir Zeit und beantworte Dir diese Fragen ehrlich. Du musst niemandem etwas vormachen. Wenn Du auf dem Sofa am besten entspannen und Energie tanken kannst, dann ist das so. Aber vielleicht fällt Dir ja auch noch ein zweiter Ort ein, an dem Dir das gelingt , das Sofa im Garten oder die Bank im Park? Wenn ja, ist das super, wenn nein, dann startest Du auf dem Sofa.

Wichtig für mich, sind nach wie vor die Fragen, die mit “Wann?” beginnen. Eine abschließende Antwort habe ich noch nicht gefunden. Genau hier werde ich nun ansetzen und versuchen, feste Zeiten für mich zu finden. Eine erste “Ich-Zeit” ist meine Frühsport-Einheit jeden Morgen. Da bin ich bei mir und mit mir.

4. Schritt: Ruhepole bewusst genießen

Meine Ruhepole sind (neben der beschriebenen Frühsport-Einheit) meine Kaffeepause nach dem Mittagessen. Ob die nun mit einem Latte oder einem “normalen” Kaffee stattfindet, ob draußen, drinnen, auf dem Liegestuhl, am Küchentisch oder auf dem Sofa, ist eigentlich egal. Aber sie ist mir wichtig und ich habe mir fest vorgenommen, diesen kurzen Moment (mehr als 10 Minuten sind es selten) ab sofort viel bewusster zu genießen.

Das ist mein aktuelles (Teil-)Ziel: Einmal am Tag abschalten, wenn möglich im Schatten eines Baumes im Garten. Bewusst nichts tun und ohne das Handy in die Hand zu nehmen. Mal schauen, ob das klappt.

Ein weiterer Ort der Entschleunigung ist für mich der Garten, aber vor allem auch die Gartenarbeit. Manchmal erst Abends, wenn die Kinder im Bett sind, manchmal nebenher. Ich versuche, hier nicht die Arbeit zu sehen, sondern das Ergebnis: Gemüse, das wächst und geerntet werden kann, Grassamen, die gesäht wurden und zur Wiese werden, Blumen, die da sprießen, wo man vorher fleißig Unkraut gejätet hat. Schön 🙂

Mein nächster Ruhepol, der jedoch der gesamten Familie beim Auftanken helfen wird, ist der bevorstehende Urlaub. Ich habe mir fest vorgenommen, den Urlaub ohne Zeitdruck und Stress anzugehen. Ob wir eine halbe Stunde früher oder später am Strand sind, ist egal. Es geht darum, dass wir als Familie eine wunderschöne Zeit haben.

Was sind Deine Ruhepole und schaffst Du es, diese bewusst zu genießen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

5. Schritt: Energie-Routinen etablieren

Du hast erkannt, dass Du raus musst aus dem Hamsterrad, dass Dich zu erdrücken droht. Du hast ein erstes Ziel für Dich formuliert. Du hast Dich intensiv mit den für Dich wichtigen Entschleunigungsquellen auseinandergesetzt und erste Ruhe-Momente bewusst genossen. Das ist doch schon toll! Freue Dich darüber – jeden Tag, wenn Du wieder einen Genuss-Moment erleben kannst.

Jetzt ist der Moment, an dem Du diese Einzelmomente in Routinen umwandeln kannst. Aber bitte: Ohne Stress, ohne Druck. Hast Du auch so eine kleine Auszeit wie ich mit meinem Kaffee? Versuche, diese Auszeit so in Deinen Alltag zu integrieren, dass diese kleine Pause Dein Akku-Aufladezeitraum wird.

Es klappt an einem Tag nicht? Kein Problem. Mach am nächsten Tag weiter und schau dir Schritt 6 an. Evtl. findest Du die Lösung im Loslassen.

Du hast schon gewisse Routinen? Was sind Deine Erfahrungen? Helfen sie Dir? Bist du glücklicher? Zufriedener mit Dir und Deinem Leben? Ich bin gespannt, was Du zu berichten hast.

6. Schritt: Loslassen und “Nein” sagen

Der vorerst letzte Schritt auf unserem Weg in Richtung entschleunigteres Leben ist das Loslassen. Jeden Tag stürzen Unmengen an Informationen, Nachrichten, Aufgaben und Probleme auf uns ein. Das wird schnell zu viel und raubt uns schnell den Raum für unsere neuen wichtigen Abschalt-Routinen.

Daher solltest Du dir in den kommenden Tagen und Wochen immer wieder vornehmen auch mal “NEIN” zu sagen. Bewusst etwas nicht tun bzw. nicht konsumieren. Dem Stress einfach mal sagen “Du kannst mich mal”. Meistens geht das besser, als man im ersten Moment denkt. Werde dir bewusst, dass die Welt in der Regel nicht untergeht, wenn Du etwas nicht tust oder nicht mitbekommst.

In diesem Sinne, lass uns starten und unsere neuen Auszeiten / Ruheoasen / Entschleunigungsaugenblicke genießen.

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